{"id":74,"date":"2011-08-29T13:55:36","date_gmt":"2011-08-29T11:55:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zimmerhaekel.com\/2011\/?p=74"},"modified":"2011-08-30T04:27:57","modified_gmt":"2011-08-30T02:27:57","slug":"2-etappe-st-petersburg-%e2%80%93-irkutsk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zimmerhaekel.com\/2011\/2011\/08\/29\/2-etappe-st-petersburg-%e2%80%93-irkutsk\/","title":{"rendered":"2. Etappe St. Petersburg \u2013 Irkutsk"},"content":{"rendered":"<p>Mein Flug nach von St. Petersburg nach Irkutsk hat einen Zwischenstopp in Moskau, wo ich einen geplanten Aufenthalt von ca. 1,5 Std. habe. Anscheinend habe ich relativ sp\u00e4t eingecheckt, oder ich war dem jungen Mann am Check-In unsympathisch, jedenfalls habe ich auf meinem Flug nach Moskau einen der hei\u00dfbegehrten B-Sitze. B- und E-Sitze sind in den Maschinen mit je drei Sitzen pro Seite die mittleren Pl\u00e4tze, wo grunds\u00e4tzlich die Armfreiheit und M\u00f6glichkeit zum stressfreien Schlafen aufgrund beidseitiger Nachbarschaft stark eingeschr\u00e4nkt sind.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck habe ich Omas aufblasbares U-f\u00f6rmiges Nackenkissen dabei, welches sie mir zum Abschied mit auf die Reise gab. Das \u00e4ndert zwar nichts an der mangelnden Armfreiheit, aber so kann ich zumindest ein Nickerchen machen. Halb so wild, schlie\u00dflich habe ich auf meinem 5,5 Std. dauernden Anschlussflug nach Irkutsk einen Gangplatz. Nach gut einer Stunde und zwanzig Minuten landen wir in Moskau-Domodedovo und ich muss nur aus dem Flugzeug spazieren, den Transit-Schildern folgen, einen Blick auf die Anzeigetafel der abgehenden Fl\u00fcge werden und befinde mich nach wenigen Minuten an Gate 42, dort wo in knapp 50 Minuten das Boarding beginnen soll.<\/p>\n<p>\u00dcberraschenderweise finde ich auch noch einen freien und gleichzeitig bequemen Sessel im Wartebereich des Gates. Somit komme entspannt sitzend in den Genuss des kostenlosen WLANs am Flughafen und checke erst mal meine Emails, habe dabei jedoch immer ein Auge auf das Gate, das vorerst geschlossen bleibt. Versunken in die Lekt\u00fcre meiner Emails und der Onlineausgabe des Spiegels, schrecke ich auf, als ich feststelle, dass es bereits 23 Uhr ist und mir im selben Moment auff\u00e4llt, dass unsere Abflugzeit 22:30 Uhr war. Anscheinend scheint mein Flug verschoben worden zu sein. Leicht nerv\u00f6s springe ich gazellengleich aus meinem Sessel und in Richtung Anzeigetafel des Gates. Dort ist kein Flug nach Irkutsk mehr zu sehen. Komisch. Also schnell jemanden suchen, der des englischen m\u00e4chtig und gewillt ist, mir Auskunft zu geben. W\u00e4hrend es ziemlich einfach w\u00e4re, jemanden zu finden der auskunftswillig ist, stellt sich die Suche nach englischsprachigen Menschen in kurzer Zeit als ein nur schwer l\u00f6sbares Problem heraus. Lediglich eine junge Dame, die mir eigentlich eine Citibank Kreditkarte angedeihen m\u00f6chte, was ich jedoch dankend und mit Hinweis auf meine bereits vorhandenen Kreditkarten konkurrierender Kreditinstitute ablehne, ist des Englischen m\u00e4chtig, was mich veranlasst, sie um Hilfe zu bitten. In wenigen Sekunden hat sie sich einen \u00dcberblick verschafft und teilt mir betroffen mit, dass mein Flieger \u2013 \u00fcbrigens mitsamt meines Rucksacks \u2013 sich schon in der Luft befinde und ich nun umdisponieren m\u00fcsse. Das k\u00f6nne ich aber bei der Repr\u00e4sentanz von S7-Airlines, so hei\u00dft die Gesellschaft, bei der ich mein Ticket buchte, problemlos und vor Ort im Flughafen tun. Auf meine vorsichtige Frage, ob man denn dort Englisch spreche, erwidert sie \u00fcberzeugt, dass das ja wohl selbstverst\u00e4ndlich sei, schlie\u00dflich sei das eine Airline und wir bef\u00e4nden uns in einem Flughafen.<\/p>\n<p>Gut, das war so nicht geplant und wirklich gl\u00fccklich bin ich mit der Situation auch nicht, aber zumindest wei\u00df ich, das S7 eine neue, moderne Airline ist, die im One-World-Verbund \u2013 einer Kooperation einiger bekannter Airlines \u2013 agiert und die Partnerschaften mit Airlines wie Lufthansa, El Al und Air Emirates unterh\u00e4lt, was darauf schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass wir vermutlich eine zeitnahe und zufriedenstellende L\u00f6sung finden w\u00fcrden. Ich begebe mich aus der Sicherheitszone hinaus und sehe auch gleich eine schalter\u00e4hnliche Installation im S7-Design, besetzt mit zwei arbeitenden Damen im mittleren Alter und einem etwas j\u00fcngeren Mann mit Hemd und Krawatte, der schwerst damit besch\u00e4ftigt ist, den beiden Damen abwechselnd \u00fcber die Schulter zu schauen und eine kontrollierende Funktion inne hat, oder, was wahrscheinlicher ist, sich in diese erhoben hat. Nur keinen Kundenkontakt lautet seine Devise und da beide Damen besch\u00e4ftigt sind, wei\u00df er stets meinem freundlich und dezent suchenden Blick auszuweichen. Als eine der beiden Damen frei wird, nutze ich meine Chance und er\u00f6ffne die Unterhaltung mit einem \u201eGawaritje pa angliski?\u201c (Sprechen Sie Englisch?). Aus der Unterhaltung wird jedoch nichts, da die Gute lediglich ein Kopfsch\u00fctteln erwidert und mit dem Daumen hinter sich auf die dort sitzende Kollegin weist. Na gut, die Chancen standen 50:50, dann klappt\u2019s halt jetzt. Geduldig reihe ich mich in die Schlange der Wartenden ein und als ich an der Reihe bin w\u00e4hle ich die gleiche Er\u00f6ffnung. Zu meiner starken Verwunderung bekomme ich auch die gleiche Reaktion, so dass ich ein hoffnungsvolles \u201epa njemetzki?\u201c (Deutsch?), welches abermals mit der nun schon bekannten Geste beantwortet wird. Okay, ich ziehe meinen Joker in Form meines nun recht nutzlosen Boardingpasses aus dem \u00c4rmel \u2013 ehrlich gesagt eher aus der Tasche \u2013 und \u00fcberreiche ihr diesen. Nach einem kurzen pr\u00fcfenden Blick auf das Dokument, zeigt die gute Frau in Richtung Fenster in den n\u00e4chtlichen Himmel. Irgendwo dort soll sich wohl mein Flieger befinden. Ich nicke verst\u00e4ndnisvoll, da mit diese Tatsache bereit vollumf\u00e4nglich bekannt ist. Daraufhin weist ihre Hand in Richtung Flughafenausgang, was ich vorerst fehlinterpretiere und als Aufforderung verstehe, den Flughafen zu verlassen. Dieser m\u00f6chte ich eigentlich nur ungern Folge leisten, was mich veranlasst einen zweiten gr\u00fcndlicheren Blick in die Richtung zu werfen. Nun entdecke ich dort einen weiteren S7-Schalter, auf den ich deute, woraufhin ich ein zustimmendes Nicken bei meinem Gegen\u00fcber ernte, das erste bist dato.<\/p>\n<p>Steten Schrittes bewege ich mich auf den zweiten Schalter zu, freudig zur Kenntnis nehmend, dass dort vorwiegend junge Menschen arbeiten. Hier versteckt S7 also ihr multilinguales engagiertes Personal. H\u00e4tte ich das nur gleich gewusst. Ich probiere es bei einer jungen Dame wieder mit meiner bew\u00e4hrten Frage, und siehe da \u2013 wieder ein Kopfsch\u00fctteln. Warum auch sollte in einem Flughafen an einem Service- und Ticketschalter jemand Englisch sprechen, schlie\u00dflich sind wir ja nicht in England. Also z\u00fccke und \u00fcberreiche ich wieder meinen Boardingpass und stammele was von \u201eBaggasch da, ja njet\u201c (Gep\u00e4ck ja, ich nicht) und deute dabei auf den Pass. Nun nickt sie und beginnt auf ihrer Tastatur zu tippen. Nach einigen Momenten gibt sie auf ihrem Taschenrechner eine \u201e1330\u201c ein, die sie mir zusammen mit einem russischen \u201eMorgen\u201c pr\u00e4sentiert, gefolgt von einer \u201e2290\u201c und \u201eRublej\u201c. Ich schlussfolgere messerscharf, dass ich am Folgetag um 13:30 Uhr f\u00fcr eine Umbuchungsgeb\u00fchr von ca. 2300 Rubel fliegen k\u00f6nne. Da es im Moment 23:30 Uhr ist erscheint mir die Zeit bis zum Flug etwas lang und ich frage daher auch Englisch nach, ob es tats\u00e4chlich der n\u00e4chste Flug sei und ob es bei anderen Gesellschaften wom\u00f6glich fr\u00fcher ginge. Sie wendet sich hilfesuchend an Ihre Kollegin, die anscheinend ein paar Brocken Englisch versteht, mir aber auf Russisch antwortet. Ja es sei der n\u00e4chste Flug bei S7 und bei einer anderen Gesellschaft ginge es \u201eschon\u201c um 11:30 Uhr, w\u00fcrde dann aber ungef\u00e4hr 12.000 Rubel (ca. 300\u20ac) kosten, was ich dankend ablehne, da die Kosten klar definiert, der Mehrnutzen jedoch quasi nicht existiert. Schlie\u00dflich buche ich um und fange an mich mit der Idee eines nun noch knapp 13,5 st\u00fcndigen Aufenthalts in Moskau anzufreunden. Zumindest kann ich schon einchecken und auf die Frage, wo sich denn dann mein Gep\u00e4ck befinden w\u00fcrde, erhalte ich die Antwort: In Irkutsk. Ich stelle anerkennend fest, dass sie zumindest das im Griff haben.<\/p>\n<p>Was also tun in den n\u00e4chsten Stunden? Ich erinnere mich an das kostenfreie WLAN und verk\u00fcnde meine Situation erst mal in einem einschl\u00e4gig bekannten sozialen Netzwerk. Wirklich m\u00fcde bin ich zwar noch nicht, dennoch streife ich auf der Suche nach einem bequemen und warmen Platz durch die Wartehalle, in der anscheinend alles belegt ist. Letztendlich lande ich in einer Cafeteria, wobei sich mein Platz auch noch in unmittelbarer Reichweite einer frei zug\u00e4nglichen Steckdose befindet. Ich ordere noch eine Cola light \u2013 0,25l f\u00fcr schmale 2,75\u20ac \u2013 und beginne die Zeit sinnvoll zu nutzen, indem ich an meinem Blogeintrag \u00fcber St. Petersburg arbeite. An dieser Stelle sei kurz angemerkt, dass das Verh\u00e4ltnis ben\u00f6tigter Zeit f\u00fcr das Erstellen zu ben\u00f6tigter Zeit f\u00fcr das Lesen keinesfalls bei 1:1 liegt. Aber immerhin habe ich Spa\u00df dabei.<\/p>\n<p>Kurz nach Sonnenaufgang bleiben immer noch 6,5 Std. bis zum Abflug, die ich mit Psytrance, D\u00f6sen in der w\u00e4rmenden Sonne, Toiletteng\u00e4ngen und Umherstreifen im Flughafen verbringe. Wie der ein oder andere Leser vielleicht nachvollziehen kann, begab ich mich \u00fcberp\u00fcnktlich (1,5 Std. vor Abflug) zum SecurityCheck. Same procedure as always: alles aus den Taschen, Schuhe ausziehen, G\u00fcrtel abnehmen und mitsamt Handgep\u00e4ck auf das Laufband. Jedoch der danach erwartete Metalldetektor blieb aus. Stattdessen steht dort eine Art Luftschleuse, die jedoch zwei offene Ein- bzw. Ausg\u00e4nge besitzt, auf Kommando betreten und verlassen werden muss und um die sich nach dem Betreten und Heben der Arme zwei magnetarm\u00e4hnliche Sensoren bewegen. Was immer es auch ist, ein Umgehen ist nicht m\u00f6glich. Gezwungenerma\u00dfen betrete ich die Glocke, vergesse jedoch das Arme heben, woran ich umgehend durch ein \u00fcberdurchschnittlich lautes Gebr\u00fcll auf Russisch, welches aus einem in der Glocke befindlichen Lautsprecher schallt, erinnert werde. Und da mein Russisch eher nur sp\u00e4rlich ist, braucht es auch eine zweite Erinnerung und einen hilfesuchenden Blick meinerseits Richtung Sicherheitspersonal, bevor ich verstehe. Ein kurzes Summen und Kreisen der Sensoren und das war\u2019s. Aber neugierig bin ich schon, was dort gerade mit mir geschehen ist und so werfe ich einen heimlichen Blick auf den eigentlich gut abgeschirmten Monitor, hinter dem eine junge Frau sitzt, die das Ger\u00e4t bedient. Und siehe da, was zeichnet sich auf ihrem Bildschirm ab? Es sind die Silhouetten der in der Glocke stehenden Personen, das Ger\u00e4t ist also ein sogenannter Nacktscanner. Ich wurde \u201enacktgescanned\u201c?! Kurz schie\u00dft mir der Gedanke durch den Kopf, ob ich nach einem Bild von mir frage, den ich aber angesichts der offensichtlichen Humorlosigkeit der \u00f6ffentlich Bediensteten vor Ort gleich wieder verwerfe.<\/p>\n<p>Da noch reichlich Zeit bis zum Boarding ist, schlendere ich gem\u00fctlich Richtung Gate, verzichte darauf mir f\u00fcr 300\u20ac Champagner zu kaufen und lasse mich wiederum in einem der bequemen Sessel nieder, diesmal jedoch fest entschlossen, am Boarding teilzunehmen.<\/p>\n<p>Aufmerksam beobachte ich meine Umgebung und lausche den Ansagen, welche in Russisch und Englisch durchgegeben werden, um auch jede Unregelm\u00e4\u00dfigkeit im geplanten Ablauf zu registrieren. Und siehe da, just zwei Minuten vor Beginn des geplanten Boarding, ert\u00f6nt die Ansage, dass kurzfristig eine \u00c4nderung des Gates f\u00fcr meinen Flug stattfinde. Ja sollte das denn m\u00f6glich sein, dass dies am Abend zu vor auch geschehen war? Zumindest w\u00fcrde es erkl\u00e4ren, dass das Gate geschlossen blieb, der Flug aber dennoch startete. Ich werde es wohl nie erfahren.<\/p>\n<p>Ich finde mich am neuen Gate ein und nach kurzer Zeit \u00f6ffnet sich auf dieses, so dass ich den Bus besteige, der mich zum Flieger bringt. Irkutsk halt dich fest, ich bin so gut wie da\u2026<\/p>\n<div id=\"attachment_75\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.zimmerhaekel.com\/2011\/files\/P1000515_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75\" class=\"size-medium wp-image-75\" title=\"still 12 hours to go..\" src=\"http:\/\/www.zimmerhaekel.com\/2011\/files\/P1000515_1-300x225.jpg\" alt=\"still 12 hours to go..\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.zimmerhaekel.com\/2011\/files\/P1000515_1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.zimmerhaekel.com\/2011\/files\/P1000515_1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.zimmerhaekel.com\/2011\/files\/P1000515_1.jpg 1320w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-75\" class=\"wp-caption-text\">still 12 hours to go..<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Flug nach von St. Petersburg nach Irkutsk hat einen Zwischenstopp in Moskau, wo ich einen geplanten Aufenthalt von ca. 1,5 Std. habe. 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